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GranoMoreno

www.grano-moreno.de Grano Moreno aus velburg

Interview

mit dem Geschäftsführer Bernhard Burnickl

Das Interview führte: Maximilian

Wer seid Ihr und seit wann gibt es Euch?

Wir sind die GranoMoreno GmbH & Co. KG, eine Spezialitätenrösterei. Uns gibt es seit Juni 2016. Da ist die Rösterei an und für sich eröffnet worden. Die Firma gibt es schon seit dem 02. August 2015. Das heißt, wir haben einen relativ langen Vorlauf gehabt. Die ganze Beschaffung, die Einrichtung der Lokalität, Röstmaschine besorgen und so weiter. Bedingt durch Lieferzeiten hat sich das alles verzögert. Also lange Rede kurzer Sinn. Die Eröffnung war im Juni 2016. Uns gibt es jetzt eineinhalb Jahre. Ich beschäftige mittlerweile 15 Leute, davon vier auf Vollzeit. Das ist einmal die Geschichte zu uns, also zur Firma selbst. Ich persönlich habe mich stark auf hohe Qualität im Einkauf und Direktbezug zu Kaffeebauern fokussiert. Wir sind einfach eine Spezialitätenrösterei. Das hebt uns aber gegenüber anderen Röstereien nicht ab, dass es kein USP ist, sage ich mal. Unser Fokus ist einfach der, dass wir ein bisschen größer denken, als andere kleine Röstereien. Das heißt, wir investieren auf jeden Fall nicht mehr so lange in die Lokation. Es stehen jetzt einige große Projekte an! Wir haben jetzt zum Beispiel die Sparte "Systemgastronomie" mit aufgenommen. Das heißt, wir bieten Unternehmen eine Kaffeebar. Verwirklicht unter dem Namen "GranoMoreno". Wir werden in diesem Frühling, in einem großen Regensburger Unternehmen, die erste Kaffeebar eröffnen. Das läuft dann in Anführungszeichen unter der Sparte "Systemgastronomie". Das ist eine große Sparte für uns und wir planen derzeit auch schon einen Neubau für die Rösterei. Da wird in etwa zwei Jahren Spatenstich sein.

Und euer Team besteht dann aus insgesamt 15 Leuten?

Insgesamt 15. Das Stammteam sind immer so vier, fünf Leute, die dann wirklich auch Vollzeit oder Teilzeit da sind. Und der Rest ist alles auf 450-Euro-Basis beschäftigt. Wir haben zum Beispiel noch unseren Food Truck. Den machen die 450-Euro-Kräfte. Das sind meist die Frauen, die bei uns arbeiten. Alle zwischen 18 und 28. Und die sind immer auf den Events mit dem Food Truck unterwegs. Sie helfen uns auch in der Rösterei beim Abfüllen oder beim Bedienen im kleinen Cafe, das immer samstags und sonntags geöffnet ist.

Sind Sie denn alle ein wenig Food-Dienstleister, weil Sie sagten, mit dem Food Truck?

Weniger! Ich weiß nicht, wie man es kategorisieren soll? Den Food Truck haben wir nur deswegen, weil wir halt in Velburg eine geringe Anzahl von Einwohnern haben. Mit 3000 Einwohnern können wir einfach nicht von der Laufkundschaft leben. Das heißt, im Ausschank verdienen wir gar nichts. Das ist verschwindend gering. Deshalb war der Gedanke zu sagen: „Wir kaufen uns einen Food Truck!“. Was wir dann auch gemacht haben. Wir haben ihn umgebaut. Das ist ein altes Feuerwehrauto aus der DDR. Und mit diesem Ding fahren wir alles an, von Firmenveranstaltungen, Hochzeiten, Geburtstagen et cetera. Aber wirklich nur Kaffee! Also im weitesten Sinne "Food". Wir haben auch diese Food Truck-Deutschlandszene mit dabei, aber unser Fokus ist nur auf Kaffee.

Du hast schon gesagt, ihr seid in Velburg? Warum seid ihr hier?

Da gibt es eine schöne Geschichte dazu. Ich wollte zunächst nach Regensburg mit meiner kompletten Idee. Da war einfach das Problem, dass die kompletten Immobilien und Gastro-Immobilien, mit Gastro-Lizenzen einfach unter der Hand weggingen. Und wenn Du mal was bekommst, dann hast Du immens hohe Ablösesummen zu zahlen. Also da spricht man wirklich von 100.000 Euro aufwärts, nur um das alte Mobiliar abzukaufen, dann im Endeffekt wegzuschmeißen und dein Konzept neuzumachen. Du zahlst in Regensburg in der besten Lage, nur das ist für mich in Frage gekommen, 45 Euro kalt pro Quadratmeter. Und in Velburg zahlst Du vier Euro fünfzig. Es ist so, in dem Haus wo jetzt die Rösterei ist. Das Haus gibt es jetzt schon seit 300 Jahren. Also das Gemäuer hier ist schon immer im Familienbesitz. Ich bin in dem Haus aufgewachsen. Bevor ich mich hier selbständig machte, war mein Papa 35 Jahre als Fernsehtechniker, Elektriker selbständig. Wiederum vor meinem Papa, war mein Opa als Uhrmacher hier selbstständig in dem Hause. Oder unten, wo die Rösterei ist. Vor meinem Opa, war das die erste Tankstelle im Ort, gefolgt von meinem Uropa. Und vor meinem Uropa, mein Ur-Uropa mit einem Kramladen. Und die hat eine ewige Geschichte. Und der ausschlaggebendste Grund ist der. Auch auf dem Land haben wir ja momentan einfach das Problem, dass viele Läden schließen. Die ganzen kleinen Orte sterben aus. Und wir haben ja hier eigentlich einen relativ schönen Ort. Bedingt durch eine Tropfsteinhöhle, einem Hochseilgarten und so weiter. 50 bis 60-tausend Touristen im Jahr, die alle nicht wissen, wo sie dann hier letztendlich einen Kaffee trinken können oder sonst etwas. Ich wollte damit einfach die kleine Ortschaft ein bisschen beleben und attraktiver machen! Was mir auch gelungen ist, ein paar mehr Touristen hier her zu holen. Weil wir mit den anderen Touristenvereinen zusammenarbeiten und weil wir Kaffee und Kuchen am Wochenende anbieten. Das mache ich nur der Ortschaft zu liebe und weil die Infrastruktur hier gut ist. Das heißt: Wir haben ja direkt eine Autobahn zwischen Nürnberg und Regensburg. Ich kann in fünf Minuten auf der Autobahn in alle Richtungen. Und dementsprechend sind auch die Kunden und Gäste relativ schnell bei uns. Weil wir eine gute Anbindung haben. Wir planen aber jetzt diesen Neubau, der dann verwirklicht wird! Und dann sind wir direkt an der Autobahn. Also wirklich die Ausfahrt runter, große Rösterei.

Grano Moreno Rösterei

Wie bist Du überhaupt dazu gekommen, dass Du etwas mit Kaffee machst?

Auch durch das Studium. Eigentlich habe ich bei meinem Papa, in dem Gebäude wo wir jetzt eben sind, Radio- und Fernsehtechniker gelernt. Dort habe ich die Ausbildung gemacht und nach der Ausbildung das Abitur nachgeholt, an der Berufsoberschule, allgemeines Abi gemacht. Danach habe ich Maschinenbau in Regensburg studiert. Oder besser gesagt, Produktions- und Automatisierungstechnik an der FH in Regensburg. Eigentlich wollte ich mich für A-B-Fach mit Maschinenbau einschreiben! Das war belegt. Und dann waren alle Fächer belegt, außer einem Seminar. Und das war das Kaffeeseminar. Das war für mich eigentlich total bescheuert, (lacht) aber ich habe mir gedacht: „Das bringt mir jetzt gar nichts für das Studium." Habe dann das Kaffeeseminar gemacht, wo wir uns dann einfach technisch mit dem Thema auseinandergesetzt haben, also maschinenbautechnisch! Wir haben Röstmaschinen und Espressomaschinen zerlegt, untersucht, thermodynamisch analysiert und so weiter und so fort. Dann ist einfach bei mir Kaffee das erste Mal über dieses A-B-Fach so präsent gewesen, dass ich meine Leidenschaft dafür entdeckt habe. Mir hat es total zugesagt dieses Thema. Ich habe gemerkt, wie umfangreich das ist. Kaffee ist das meist getrunkene Getränk der Deutschen. Und Kaffee ist nach Rohöl der meist gehandelte Rohstoff weltweit. Es ist ein Riesen-Produkt. Kaffee hat nachweislich doppelt so viele Aromen wie Wein. Und jeder trinkt Kaffee nur zum Wachwerden. Da habe ich mir gedacht: „Hey, das werden wir ändern!" Und so bin ich zu der Leidenschaft gekommen. Ich habe dann meine Bachelorarbeit über Kaffee bei der Deutschen Röstergilde in Berlin geschrieben und habe mich nebenbei selbstständig gemacht. Schon während des Studiums habe die Rösterei fokussiert.

Ist ja cool! Was ist denn Euer Ziel? Du hast ja schon gesagt: „Du denkst, ihr denkt größer, als andere?"

Ich kann es gar nicht in einem Ziel zusammenfassen. Ziel ist natürlich eine gutlaufende große Rösterei. Das ist schon mal das Wichtigste! Ziel ist, dass wir uns in Sachen Qualität und fernem Handel nicht verbiegen lassen! Das steht bei mir an oberster Front! Das Ziel ist wie gesagt, der Neubau einer schönen großen Rösterei, direkt an der Autobahn mit einem schönen gastronomischen Betrieb. Dann wollen wir uns ein bisschen auf die Themen "Systemgastronie" fokussieren. Also, das soll eine eigene Sparte werden! Da haben wir jetzt auch schon einen fest angestellten Bereichsleiter, der das alles macht. Das wäre ein großes Thema! Das nächste große Thema sind biologisch abbaubare Kapseln für den Espresso. Da sind wir gerade dabei. Wir machen gerade verschiedenen Ziel- und Spritzversuche, Patentanmeldung für unseren Compound und so weiter. Da wird noch einiges auf uns zu kommen. Wir haben noch zwei weitere Themen, die haben aber innere Verschwiegenheit. Deswegen kann ich es Dir nicht erzählen. Es kommen aber noch echt coole, große Geschichten, auf jeden Fall!

Also Ihr seid nicht nur zufrieden, mit nur Kaffee machen?

Nein. Du kannst nicht einfach mit Kaffee alleine absetzen! Du musst halt irgendeine USP haben, wie zum Beispiel jetzt unsere Kapsel. Das ist eine absolute USP. Da sind wir bisher die Ersten, die aus dem Material hundert Prozent biologisch abbaubare Kapseln für den Espresso herstellen. Und das macht uns auch keiner nach, weil wir das Patent haben. Das ist ein USP! Die Rösterei? Es gibt in Deutschland derzeit 800 Kaffeeröstereien. Davon gibt es 120 Spezialitätenröstereien sowie uns. Und die haben im Endeffekt das Gleiche wie wir. Das gleiche Produkt! Die beziehen zwar von anderen Plantagen, haben ein bisschen andere Geschmäcker. Jede Rösterei hat individuelle Rezepte und Geschmäcker. Du wirst nie einen Kaffee finden, der wirklich gleich schmeckt. Nichts desto trotz ist das keine USP, mit der du dich absetzen kannst. Und deswegen liegt unser Fokus auf einer komplett anderen Unternehmensstrategie. Das ist eigentlich unser USP! Bloß, das ist kein USP, den man vermarkten kann. Also wir denken einfach ein bisschen größer und gehen an das Thema ganz anders heran.

Was waren die größten Herausforderungen in der Startphase? Und wie habt Ihr die gemeistert?

Die Finanzierung! Ich finde, es ist allgemein ein riesen Problem für Startups. Ein ganz einfaches Beispiel. Ich war Student, hatte keine Rücklagen und wollte mich selbständig machen. Ich habe gesagt: „Ich brauche einen INVEST von X, Y!" Und dann musste ich erst mal jemanden finden, der das realistisch einschätzen kann und der Geld investiert. Es lief also über Fremdkapital, ohne dass du irgendwie die Familie oder irgendwelche Bürgschaften hinterlegen musst. Das war in meinem Fall relativ gut, weil der zweite Geschäftsführer von der Rösterei mein Bruder ist. Mein Bruder hat sein Startup im Jahr 2011 gegründet. Ein Ingenieurbüro für Elektroplanung und hat mittlerweile 75 Leute und sechs Standorte. Also, der hat das relativ gut hinbekommen. Und das ist quasi mein unternehmerischer Beistand, den ich dann "CFO" nenne, wenn man es einmal so sagt. Ich bin da für das operative Geschäft und Kaffee und die komplette Buchhaltung macht dann das Büro meines Bruders. Der hat genügend Sekretärinnen, was es für uns relativ easy macht. Ansonsten? Herausforderungen waren am Anfang echt ein Problem. Du wirst von allen unterschätzt. Und keiner gibt dir Lacation und keiner gibt dir Geld. Und dann natürlich Marketing! Du hast noch nie etwas mit dem Thema zu tun gehabt und stellst dir dann die Frage: „Was ist das richtige Marketing für mich?“ Viele Printmedien wurden ausprobiert, alle sind gescheitert. Weil es einfach viel zu teuer ist. Du hast keine gezielten Kundengruppen. Speziell jetzt auf unserer Branche bezogen zählen auch viele Kleinigkeiten wie: „Woher kriege ich den Kaffee? Woher kriege ich die Etiketten? Wer macht mir meine Etiketten, die ganze Grafik? Wo bekomme ich eine geile Homepage her? Wo kriege ich einen geilen Imagefilm her?“ Diese Infos muss man sich erstmal besorgen. Denn es gibt ja auch viele Pfeifen, die da unterwegs sind und die auch für viel Geld einen Blödsinn verkaufen wollen. Wie viele Mitarbeiter brauche ich? Kann ich mir die Mitarbeiter leisten? Aber ich denke gar nicht immer so daran. Ich denke nicht: „Kann ich mir die Mitarbeiter leisten?“, sondern: „Wie viel Umsatz muss ich jeden Monat machen, um mir einen weiteren Mitarbeiter zu leisten?" Das ist immer meine Vorgehensweise! Ich habe jetzt eine Festangestellte, seit Januar. Die kostet mich so und so viel im Monat. Wie viel Umsatz muss ich im Monat machen, damit es passt? Und die nimmt mir die Arbeit ab. Ich habe wieder mehr Zeit, um eben mehr Umsatz zu generieren in Form von Akquise, neue Verträge und Kundenbetreuung und das ganze Zeug zu machen. Genau! Und mein Ziel oder unser Ziel ist, das Unternehmen so aufzubauen, dass es komplett autark funktioniert. Auch wenn ich mal ein halbes Jahr im Krankenhaus liege. Um das soll es eigentlich gehen!

Wie habt Ihr mit Marketing angefangen? Also, was waren so die ersten Schritte?

Also. Wir haben natürlich erst mal eine Broschüre erstellt. Für die Rösterei intern, Flyer, Broschüren, eine Homepage erstellt. Gehört ja alles auch zum Marketing. Wir haben relativ viel Geld in die Homepage investiert und nicht in das Marketingthema. Und dann haben wir angefangen herum zu probieren: Facebook Marketing, Google AdWords, Printmedien, Zeitungen. Erst mal natürlich in der Region Werbung gemacht ohne Ende: „Neue Rösterei in der Region!“ Das heißt, wir waren in allen Zeitungen. Ich wollte nicht so viel Geld dafür ausgeben. In so fern bin ich zum Beispiel zu regionalen Fernsehsendern gegangen und habe gesagt: „Hey! Wollen Sie mal eine schöne Rubrik bringen? Neugründungen oder Startup-Gedanken in unserem Landkreis und einen schönen Bericht bringen? Denn das wird mit dem Polizeiprogramm so wie so nicht voll.“ Somit habe ich relativ schnell, umsonst Medienwirksamkeit gehabt. Es war in Zeitungen, im Fernsehen und das immer laufend. Ich habe dafür gesorgt, dass ich bei uns in der Region bekannt werde. Desweiteren waren wir mit dem Food-Truck unterwegs, haben uns irgendwo hingestellt und haben Kaffee ausgeschenkt, damit wir bekannt werden. Mittlerweile brauch ich für den Food-Truck überhaupt keine Werbung mehr machen. Wir sind ganzjährig ausgebucht, einfach durch Mundpropaganda. Dann habe ich mit Jochen Schweitzer zusammengeschlossen und biete Kaffeeseminare an. Ja. Ich bin eigentlich in alle Richtungen gegangen. Also wir haben ein riesen Brainstorming gemacht und haben gesagt: „Okay! Wir gehen jetzt ein Thema nach dem anderen an!" Wir haben einfach alles an Marketingkanälen schon mal ausprobiert. In letzter Zeit waren wir wieder ein bisschen verstärkt auf Instagram zum Beispiel, um die Marke zu etablieren.

food truck cafe

Und wie kommt man dann so an Kontakte wie Kaffeebauern zum Beispiel?

Einen Kaffeebauern zu finden ist letztendlich einfach. Das stellt man sich schwerer vor, als es ist. Es gibt Kaffee-Messen, zum Beispiel von der Deutschen Röstegilde. Also ich bin zertifiziertes Mitglied bei der Deutschen Röstegilde, die ihren Sitz in Berlin hat. Die veranstalten zweimal jährlich Kaffee Tastings, wo dann Kaffebauern beziehungsweise deren Kaffees von Kleinstplantagen vorgeführt werden. Wir können den dann dort verkosten. Und wenn uns der Kaffee schmeckt, dann bekommen wir einen Kontakt zu den Kaffeebauern und können dann über den direkt beziehen oder Du fliegst halt selber hin. Ich war zum Beispiel im letzten Jahr in Nicaragua. Dieses Jahr fliegen wir höchstwahrscheinlich nach Mexiko. Da fliegst du auf die Plantagen, machst mit denen die Jahresverträge, sodass die fair bezahlt werden. Das heißt, wir sind immer über dem Fairtrade-Standard bei unseren Kaffees. Bis zu zwei Euro über dem Fairtrade-Standard im Einkauf. Es sind wirklich zufällige Begegnungen, sei es auf Messen oder solchen Cupping Börsen. Cupping ist einfach dieses Verkosten der Kaffees und dann nennt sich das Ganze “Cupping Börse“. Da sind dann Vertreter von Kaffeeplantagen und präsentieren ihre Produkte. Denn die wollen sie ja auch am europäischen Markt verkaufen.

Habt Ihr denn irgendwelche speziellen Werte in Eurem Team? Du hast ja schon gesagt, Fairtrade steht vor allem ganz oben.

Für mich ist immer ganz wichtig, dass alle meine Mitarbeiter sich mit GranoMoreno und dem Konzept dahinter identifizieren können. Sprich, dass die einfach dieses Lebensgefühl mit dem Kaffee einatmen, ausatmen und leben. Und, dass sie auch loyal sind in der Hinsicht. Ich mache auch prinzipiell keine Stellenausschreibungen. Alle meine Mitarbeiter sind bis jetzt auf Empfehlung gekommen oder sind zu mir gekommen und haben gesagt: „Hey! Ich finde das Thema so geil, das gegeistert mich so.“ Und den schnappe ich mir natürlich dann. Ich habe, glaube ich in meiner Branche den Vorteil, dass es ein ziemlich emotionales Produkt ist. Jeder trinkt es, jeder findet es irgendwo geil. Hier hat die Oma beim Rösten zugesehen oder war in der Rösterei und gesagt: „Das ist Hammer!" Und so kriegst Du relativ schnell diesen persönlichen Bezug zu den Leuten. Es gibt viele Leute, die da sehr affin sind und dann halt irgendwann zu mir kommen und sagen: „Herr Bernhard, Du bist doch ein junges cooles Startup, ein junger Chef? Hast Du nicht irgendwie eine coole Arbeit für mich? Ich würde mich auch gerne im Kaffee-Business ein bisschen verwirklichen!“ Und je nach dem. Mein neuer Festangestellter ist jetzt zum Beispiel auch ein studierter BWLer, zertifizierter Barista. Und der kam auf mich zu, weil er von mir gehört hat und das cool findet. Solche Leute kannst Du eigentlich nicht ausschreiben. Das ist echt schwierig. Da weiß ich, das passt! Da kann ich mich hundertprozentig verlassen. Der Typ hat, ich würde sagen, mindestens so viel Ahnung von Kaffee wie ich. Und so was ist halt geil. Es ist schwierig solche Leute explizit durch Ausschreibungen zu finden.

Was habt Ihr denn schon erreicht bisher? Die ziemlich großen Erfolge, die man erwähnen sollte?

Was wir erreicht haben? Zum einem: Wir haben nach eineinhalb Jahren den Break Even erreicht. Was relativ gut ist. Und das bei vier Festangestellten. Prinzipiell ist es so. Wir setzen uns am Anfang des Jahres immer feste Ziele. Wir sagen: „Wir wollen so und so viele Tonnen rösten und den und den Umsatz machen!" Das ist mit für uns der wichtigste Leitfaden! Ziele setzen und alles durchboxen, dass das irgendwie funktioniert! Das heißt, wir haben uns zum Beispiel letztes Jahr das Ziel gesetzt, zehn Tonnen zu rösten. Und waren jetzt letztendlich bei 16 Tonnen. Dieses Jahr ist unser Ziel 25 Tonnen! Ich sage mal, wenn man immer den Gedanken hat und Du stehst jeden Tag mit dem Ziel im Kopf in der Frühe auf, dann setzt Du alles daran, dass Du das umsetzt. Genauso mit dem Umsatz. Wir haben uns einen bestimmten Umsatz vorgenommen. Den haben wir dieses Jahr auch übertroffen. Und ich hoffe, im September dieses Jahr auch! Wir machen das nach dem Belohnungsprinzip. Wenn der Umsatz erreicht oder übertroffen wird, dann gönnen wir uns zum Beispiel eine Plantagenreise oder so etwas. So funktioniert das bei uns. Und was wir schon großes erreicht haben? Wie gesagt, diese zwei ganz großen Themen, die sind noch unter Verschwiegenheit! Die wir aber schon erreicht haben und jetzt dann kommen. Das sind wirklich Reisen, große Geschichten in der Kaffeewelt. Was wir auch erreicht haben, ist einfach das mit dieser Systemgastronomie, wo wir jetzt reingerutscht sind. Und wir haben erreicht, einen sehr, sehr, starken großen Partner für uns zu gewinnen. Der ohne zu viel zu verraten, hier in Deutschland ein extremer Big Player in Sachen Food ist. Also richtig, richtig krass! Der catert unter anderem auch für die WM. Und das wird jetzt unser fester Vertragspartner, der dann nur noch GranoMoreno-Kaffee bezieht.

Braucht Ihr Investoren oder seid Ihr so ganz glücklich?

Nein, wir sind eigentlich immer schon auf der Suche. Es kommt immer auf unsere Themen drauf an. Wir haben jetzt das Thema "Kapsel", wofür wir jetzt dieses Compound entwickelt haben und die Patentanmeldung geplant haben. Jetzt geht es darum, dieses Ding zu puschen! Marketing zu platzieren, Produktionen anzutreiben! Und da wollen wir uns auf jeden Fall einen Investor holen! Das ist Thema eins. Thema zwei: Wir bringen jetzt nochmal eine neue Kaffeemarke auf den Markt. Das hat nichts mit GranoMoreno zu tun. Es ist eine eigenständige Firma. Die haben wir zu fünft. Das wird ein Kaffee, den es so auf dem Markt noch nicht gegeben hat. Das ist das nächste Verschwiegenheitsthema. Da wollen wir zum Beispiel nur mit Investoren gehen.

Wieso? Will man das dann auslagern?

Der erste Gedanke war, dass wir diesen Kaffee produzieren. Und für die anderen Jungs quasi als Lohn, Röster ordern. Aber, wir haben uns so gut verstanden und wir haben gemerkt, wir profitieren sehr voneinander. Da haben wir gesagt: „Dann machen wir gleich eine eigene GmbH und teilen das zu fünf Fünftel auf." Dann ist jeder involviert und hat Bock drauf. Und dann machen wir das miteinander. Aber da wollen wir eigentlich nur über einen Investor fahren.

Welche Gründe gibt es? Beziehungsweise, wie würdet Ihr denn einen Investor überzeugen, dass die jetzt sagen: „Jetzt investiert in uns?“

Da es ja noch in der Verschwiegenheit ist. Aber ich sage mal, die Vorgehensweise ist bei uns folgende: Wir machen jetzt bei einer renommierten Münchener Firma ein Marketingkonzept. Das lassen wir uns auch ein bisschen was kosten. Das liegt schon mal im fünfstelligen Bereich. Die erarbeiten ein langfristiges, zehnjähriges Marketingkonzept. Zum Nächsten erstellen wir dann wirklich einen Businessplan, der von Wirtschaftsprüfern geprüft worden ist und gehen mit diesem Marketingkonzept und diesem geprüften Businessplan dann auf die Suche nach Investoren. Denen machen wir dann attraktive Angebote. Die Inhalte kann man jetzt natürlich vor der Firma nicht sagen! Aber ich sage mal, der Rahmen zumindest, da haben wir schon so viel Erfahrung zusammen. Da kriegen wir einen Investor.

Wo seht Ihr Euch denn in fünf Jahren ungefähr? Wo geht es denn hin, in welche Richtung?

In fünf Jahren? Ich gehe mal momentan davon aus, dass wir dann bereits die große Rösterei haben. Uns mitarbeitertechnisch irgendwo zwischen 40 und 50 bewegen, schätze ich mal. Wir werden einfach in fünf Jahren einer von den bekanntesten und größten Spezialitätenröster Deutschlands werden. Das ist unser Ziel!

Wenn ich jetzt privat den Kaffee “GranoMoreno“ kaufen will? Wo besorge ich mir das?

Also, zum einen kannst Du es natürlich über unseren Online-Shop oder bei uns im Direktverkauf in der Rösterei erwerben. Oder Du klinkst Dich mal ein unter “grano-moreno.de“, unter den FAQs. Dort steht: Wo gibt es GranoMoreno überall zu kaufen. Und dort sind weit über 40 oder 50 Verkaufsstellen unter den ganzen Handelspartnern gelistet. Das heißt, Alnatura, bayernweit alle Märkte, Edeka, REWE, Galeria Kaufhof, diverse Spezialitätenhändler, die dann da aufgelistet sind. Elektrogroßhändler, die unter anderem Kaffeemaschinen und unseren Kaffee verkaufen. Andere Onlineshops. Aber, das ist dann wiederum alles da aufgelistet. Das habe ich auch nach Regionen sortiert, damit man sich relativ schnell zu Recht findet. Wenn Du jetzt sagst: „Hey! Wo gibt es in Regensburg den GranoMoreno-Kaffee? Schaust da rein! Siehst unter R wie Regensburg, alle Verkaufsstellen in Regensburg und Umgebung zum Beispiel.

Ja, letzte Frage von mir. Könnt Ihr euch vorstellen Euer Unternehmen eines Tages zu verkaufen?

Nein. GranoMoreno sicherlich nicht. Das wird immer mein Baby bleiben und ich will es auch nicht verkaufen. Aber ich bin mittlerweile an vier Firmen beteiligt. Wobei bei den anderen vier Firmen durchaus Exit-Strategien verfolgt werden. (I: Okay.) Also mit unserer Kapselgeschichte zum Beispiel. Das ist eine reine Exit-Strategie. (I: Okay.) Aber dann machen wir es gleich von vorn herein so. Dann gehen wir auch ganz anders an das Projekt heran. Eben mit Businessplan, Wirtschaftsprüfer und Marketingkonzept, um das attraktiv zu schnüren und dann auch zu verkaufen.

Sind die vier Firmen auch im Kaffeebereich, also mit GranoMoreno verbunden oder sind das auch andere?

Ja. Es ist alles in der gleichen Branche.

Gut! Vielen Dank Bernhard für das Interview!