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Obstkiste.eu

www.obstkiste.eu 100% von regionalen Händlern

Interview

mit Thomas Müller

Das Interview führte: Nico

Wer seid ihr und seit wann gibt es Euch?

Ich bin Thomas Müller und mache die Obstkiste seit ungefähr einem Jahr.

Was ist eure Geschäftsidee und was macht sie so besonders?

Ich verkaufe frisches Obst an Büros, also an Firmen. Und das besondere ist daß ich das in jeder Stadt in Deutschland machen kann, und zwar 100% regional. Das bedeutet, daß das Obst ausschliesslich von regionalen Händlern kommt. In Regensburg also ausschließlich von Regensburger Obst- und Gemüsehändlern. Das bedeutet daß das Geld und die Wertschöpfung in der Region bleibt.

Klingt schonmal gut. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen und was hat euch dazu inspiriert?

Ich habe von einem Regensburger Anbieter einen Flyer gesehen und fand das eine sehr charmante Idee. Das passt gut zu meiner Geschäftsidee ein 'regionales Amazon' aufzubauen. Ich habe dann versucht mit diesem Gemüsehändler zusammenzuarbeiten, aber er hat's nicht mal geschafft die richtige Rechnung zu schicken. Dann habe ich mir gedacht, mit dem geht das nicht, ich muß es selber machen. Und dann habe ich das selber aufgezogen. Hab' dann eine Webseite aufgesetzt für Regensburg, und irgendwann sind die ersten Anfragen reingekommen.

Was ist euer Ziel, wo wollt ihr hin mit der Obstkiste?

Das Ziel ist, die regionalen Händler zu unterstützen, und der Start ist die Obstkiste. Die langfristige Vision ist, eine Plattform zu schaffen mit der ich regionale Produkt ins Büro liefern lassen kann. Und zwar nicht nur für Business-to-Business-Produkte, also für Sachen welche die Firmen selbst brauchen. Sondern auch da wo ich arbeite auch meine Online-Bestellungen hinliefern lassen kann. Denn ich pendle ja sowieso hin- und her, also wieso lasse ich mir meine Produkte, die ich in einem Regensburger Geschäft - online - bestellen kann, nicht auch in mein Regensburger Büro liefern. Das spart für mich CO2. Und ich spare mir die ganzen Amazon-Lieferungen aus einem Leipziger Verteilerzentrum.

Also willst Du die Obstkiste noch breiter auffächern und Dich nicht nur aufs Obst beschränken?

Irgendwann soll aus der Obstkiste ein breites Sortiment regionaler Produkte werden.

Sowohl für die Firmen als auch für die Privatpersonen?

Jawoll. Wobei die Lieferung immer über die Firma erfolgen soll. Das Büro soll der "Hub" sein sozusagen.

Was waren die größten Herausforderungen in der Startphase und wie habt ihr sie gemeistert?

Das Schwierigste ist in jeder Stadt gute Partner zu finden die hochwertige Ware liefern können und dann aber auch wollen. Denn die meisten Händler regionaler Produkte in ihrer Schiene drin sind wie sie ihr Business schon die letzten 30 Jahre machen. Und wenn man dann mit einer neuen Idee kommt, selbst wenn sie mehr Umsatz bringt bzw. hoffentlich auch mehr Gewinn, ist es erst einmal was Neues, was Unbekanntes, das macht mir Arbeit, da kommt einer den ich nicht kenne... Das sind alles Vorbehalte die es zu überwinden gilt. Deshalb ist es die größte Herausforderung, zumindest zum Start, in jeder Stadt die zu finden die offen sind für Neues.

Wie stellst Du das an?

Meistens muß man die Händler anrufen. Auch für den Vertrauensaufbauprozess ist das besser und schneller als wenn man E-Mails schickt die oft nicht beantwortet werden.

Was treibt Euch an, welchen Beweggrund habt Ihr?

Ökonomische Vernunft. Mein Vater hat mit seiner Spedition Bauer-Joghurt von Wasserburg nach Norddeutschland gefahren. Und hat bei der Nordmilch Zeven Joghurt eingeladen und dann zum Minimal nach Wasserburg gefahren. Das kann einfach nicht wahr sein! Die Welt jammert über den CO2-Ausstoß, und wir sind bequem - das ist verständlich - und lassen aber auch unnötige Fahrten zu. Und das will ich vermeiden helfen. Das weiße Poloshirt, das ich mir bei Amazon bestelle, das gibt's auch in Regensburg, irgendwo. Ich weiß es halt nur nicht wo. Da ist schon ein Laster gefahren. Ich brauche nicht noch irgendeinen Paketdienst der das von Leipzig oder irgend einem anderen Verteilerzentrum zu mir nach Hause bringen lässt. Aber dafür muß ich erst die Information haben daß es das Polo hier gibt: in meiner Größe, in der Farbe die ich haben will - und wie ich das kriegen kann. Und das ist mein Antrieb.

An was arbeitest Du im Moment?

Beginnend mit Regensburg arbeite ich daran das Geschäft hochzufahren, also zu skalieren. Dass möglichst alle Unternehmen wissen welche Möglichkeiten es gibt, speziell mit der Obstkiste, gute Mitarbeiter zu binden bzw. nach außen hin zu kommunizieren was die Firma für ihre Mitarbeiter tut und damit als Arbeitgeber noch attraktiver wird.

Aus wievielen Personen besteht Dein derzeitiges Team?

Also die Verantwortung trägt nur einer, das bin ich. Wenn man den Begriff Team etwas weiter fasst gibt's noch den Unternehmensberater Nico und die Marketing-Agentur C3. Und wenn man's noch weiter fasst gibt's die ganzen Obst- und Gemüsehändler in den ganzen Städten die mir helfen mein Geschäft zu betreiben.

Das klingt nach einem Haufen Leute - wie hast Du Dein Unternehmen finanziert?

Alles aus dem Cashflow. Ich habe keinen einzigen Euro Startkapital gebraucht, bis auf vielleicht die 5 Euro Hostinggebühr für's erste Jahr die ich benötigte um die Website online zu stellen, die ich selbst programmiert habe.

Das klingt sehr spannend. Was habt Ihr schon erreicht?

Ich bin in 5 Städten vertreten und liefere jeden Monat Obst für 1.000 Menschen.

Hast Du eine Vision oder eine Mission?

Meine Vision ist daß es eines Tages wirklich eine Alternative zu Amazon und ebay gibt, und zwar eine regionale Alternative. Ich bin überzeugt daß das Sinn macht und ich glaube auch dran daß man das realisieren kann. Die Mission ist einfach alles Unnötige wegzulassen. Und es gibt soviel Unnötiges in der Welt das man weglassen kann was es wirklich nicht braucht. Wie Gerhard Polt immer sagt: "Brauchts das? Muß denn des sein?"

Würdest Du einen Investor von der Kiste überzeugen wollen?

Ich weiß es nicht, die Frage stelle ich mir gerade. Vom Cash braucht's das nicht. Wenn das "smart money" wäre, also jemand der einen aktiven Beitrag leisten kann, und der mir hilft die Vision schneller zu verbreiten - dann auf jeden Fall.

Wo geht es hin, wo seht ihr euch in 5 Jahren?

In fünf Jahren gibt's in allen 2.000 deutschen Städten diese Plattform, welche in der jeweiligen Stadt Steuern zahlt und nicht in Luxemburg. Und das Geld bleibt bei den Händlern vor Ort. Da sehe ich mich in 5 Jahren.

Könnt ihr euch vorstellen euer Unternehmen eines Tages zu verkaufen?

Selbstverständlich. Warum: Weil ich irgendwann was Neues machen will. Aber vor allem Leute das Ruder übernehmen sollen, die Sachen besser können als ich. Ich glaube ich bin ein sehr guter Starter. Aber wenn's um Prozesse geht, oder darum Strukturen aufzubauen, so ab 10-15 Mitarbeitern, diese "growing pains" vermeide ich gerne und überlasse ich gerne jemand anderen.

Vielen Dank für das Interview, Thomas!